Wild! bringt eine wichtige neue Funktion mit sich, die leider gänzlich undokumentiert und daher auch weitgehend unbekannt ist. Zudem gestaltet sich die praktische Anwendung des Features nicht ganz unproblematisch. Dieses Tutorial soll daher eine kleine Einstiegshilfe bieten.
Wie alle Szenerieobjekte, können Terrainkacheln und -blöcke mit Hilfe der Shift-Taste in den Untergrund versenkt werden. Wild! erneuert diese Funktion, indem es dabei einen Hohlraum entstehen lässt. Mit dem unterirdischen Platzieren der Terrainbausteine lassen sich also die Tunnelsysteme von Bahnen beliebig erweitern und können anschließend mit Kulissen verkleidet werden.
Allerdings sieht man sich dabei mit einem Problem konfrontiert: Selbst bei aktivierter "Terraintransparenz" lassen sich angelegte Höhlen nicht erkennen. Bei fehlenden Anhaltspunkten, wie Bahnen oder Gehwegen, ist auch das genaue Lokalisieren von sichtbarer Szenerie nur unzureichend möglich und damit eben auch der Bau von unterirdischen Komplexen.
Um dieses Problem zu umgehen, können die Seitenflächen einer geplanten Höhle durch Absenken des angrenzenden Bodens "aufgeschnitten" werden. Von der entstandenen Schnittfläche aus lässt sich dann ein einsehbarer Stollen in den Grund treiben, der mit allen Szenerieobjekten ausgestaltet werden kann.
Beim Einbau der Szenerie ist allerdings Vorsicht angebracht: Ein falsch gesetztes Element ist unter Tage nicht einfach durch den üblichen Rechtsklick zu entfernen. Stattdessen wird ein vorgelagerter Teil der Höhle "gelöscht" (die ja de facto aus transparenten Terrainbausteinen besteht). Daher müssen zwangsläufig alle auf der entsprechenden Kachel befindlichen Objekte mit dem Werkzeug "Bereich aus dem gelöscht werden soll" entfernt und neu gesetzt werden.
Ich kann hier nur häufiges Zwischenspeichern anraten. 
Zum Abschluss ein einfaches Beispiel.
Bevor ich beginne, möchte ich aber noch einige wichtige Dinge anmerken:
Unter "Kameraeinstellungen" sollte der Kontrollmodus "Fortgeschritten" oder "Freisicht" aktiviert werden. Während des Bauens wird es erforderlich sein, in die Höhle blicken zu können. Ein dafür geeigneter Blickwinkel ist nur in diesen beiden Kameramodi einstellbar.
Mit Hilfe der Strg-Taste werden Elemente automatisch auf der Höhe des zuvor gebauten Objekts platziert. Besonders hier ist diese Funktion nützlich, da einige Stellen in unterirdischen Räumen evtl. nur unzureichend einsehbar sind.
Wie bereits erwähnt, können Teile, die unterirdisch gesetzt worden sind, nicht einfach wieder entfernt werden. Es empfiehlt sich daher alle Strukturen schon vorher genau zu planen, oder testweise sogar oberirdisch zu bauen. Im übrigen können die dabei entstandenen Gebäude auch gespeichert und dann als Gesamtobjekt in bekannter Weise unter die Erde geschoben werden.
Durch diesen Hügel soll eine kleine, ägyptisch gestaltete Bahn führen.

Ich beginne mit dem Streckendesign. Natürlich könnte ich auch zuerst die Höhle anlegen, die Schienenführung lässt sich unterirdisch jedoch leichter korrigieren als fehlgebaute Szenerie. Deshalb mag es von Vorteil sein, zuerst die Bahn (oder auch einen Gehweg) zu errichten, die dann ggf. nachträglich angepasst werden kann. Außerdem wird das Gelände durch Spezialteile einiger Achterbahnen in schwer vorhersehbarer Weise ausgehöhlt und darauf muss dann mit dem Bau der Kulissen entsprechend eingegangen werden.
- Jetzt ebne ich das Land direkt vor der geplanten Kammer. Von der entstandenen vertikalen Fläche aus arbeite ich mich mit den 3x3-Terrainblöcken Schicht für Schicht in den Berg. Die kleineren Blöcke benutze ich nicht, da die Höhle ohnehin nur eine simple rechteckige Form mit einer 9x5 Parzellen umfassenden Grundfläche annehmen soll.


- Nachdem der Stollen die angestrebte Form erreicht hat, beginne ich mit der thematischen Ausgestaltung. Zuerst ziehe ich einen Boden ein, dann stelle ich Säulen als Stützen für die Bahn auf. Nachdem ich auch die Wände verkleidet habe, wird alles überdacht. Abschließend dekoriere ich die entstandene Halle mit einer Pyramide, Fackeln und zwei Sphingen. Die Tunnel, die in den Raum führen, sollten natürlich auch mit Szenerie versehen werden. Für dieses Beispiel verzichte ich aber darauf.


- Da alles fertig ist, muss der Raum nun geschlossen werden, um zu einer “echten“ Kaverne zu werden. Vorher errichte ich an der offenen Seite aber noch eine Wand, damit auch hier später nicht nur die bloße Höhlentextur erscheint.
Mit Hilfe des Tools “Terrainkacheln an benachbarten Kanten einrasten" verbinde ich die geebneten Terrainfelder mit den bestehenden Teilen des Hügels. Daraufhin passe ich die Kacheln mit der “Freiform-Terrainkachelformung" grob den Zügen des Berges an. Unter Anwendung des Werkzeugs “Freie Terrainkachelkanten entfernen“ beseitige ich noch die verbleibenden Schnittflächen und glätte das Areal zum Abschluss mit der Funktion "Terraindurchschnitt".
Die Fläche, unter der die Höhle liegt, darf allerdings nicht mehr bearbeitet werden, da die Szenerieteile dann ebenfalls vertikal verschoben würden.

- Zum Schluss folgt noch die obligatorische Fahrt in der eigenen Bahn; weil RollerCoaster Tycoon 3 kein separates Lichtmodell für Tunnel vorsieht, leider durch einen voll ausgeleuchteten Raum. Nur in der Nacht vermögen die Höhlen realistisch zu wirken.








