Spreepark - Wiederauferstehung?

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Es war einmal die Vergnügungsmeile der Berliner. Sie lag im Osten der Stadt, nicht im Westen. Der lange Weg entlang der Spree, mit der Anlegestelle der "Weißen Flotte", den Fischräuchereien, dem Rosarium, der Sternwarte, dem Gasthaus Zenner, wo noch heute die Musik zum Tanz spielt wie vor dreißig Jahren, mit dem Treptower Park, in dem noch heute das gigantische Sowjetische Ehrendenkmal in den Himmel ragt wie vor fünfzig Jahren, und der Liebesinsel, von der heute Captain Hellbourg mit seinem knatternden Wasserflugzeug zu Rundflügen übers legendäre Spreeathen aufsteigt. Früher wäre der alte Motor kaum zu hören gewesen, so laut war das glückliche Geschrei durch die Lüfte wirbelnder Kinder aus dem sozialistischen Kulturpark am Ende der Vergnügungsmeile; bei gutem Wind war es bis nach Neukölln, in den Westen hinein, zu hören.

Heute kreischt sollen siewieder kreischen mehr vor Vergnügen, der allmählich vorrückende Wald droht das große Schild am Weg bald ganz zu verschlingen, auch wenn das witzige Männchen darauf noch immer ganz unbekümmert verkündet: "Spreepark Berlin, ein Besuch lohnt sich immer!" Jahre nach dem Fall der Mauer liegen die einst fliegenden Untertassen der bunten Karussells hinter einem rostigen Zaun wie aus fernen Welten bruchgelandete Flugobjekte. Noch immer lacht der Kopf einer Clownsfigur aus einem eisernen Schrottberg hervor, grell und farbenfroh liegen Teile der Karussells zwischen den Bäumen im dunklen Wald. Wer heute am Maschendraht des Berliner Praters entlanggeht und einen Blick zwischen die zusammenrückenden Bäume wirft, blickt in die gespenstische Kulisse eines Untergangs.

Bedrohlich und lebensgroß hat Tyrannosaurus Rex sich auf die Hinterfüße gestellt und fletscht die Zähne, der Prontosaurus ist vor Schreck auf die Seite gefallen und streckt die hohlen Plastebeine in die Luft. Mammut, Elefant und Säbeltiger scheinen sich wohl zu fühlen im menschenleeren Areal der postsozialistischen Epoche. Auch Nessi in ihrem vom heißen Sommer ausgetrockneten Schlammloch steht das Wasser längst nicht mehr bis zum Hals. Ängstlich recken aus einem Dickicht sechzehn riesige Schwäne ihre strahlend weißen Hälse und sehen zu den Sauriern hinüber.

Scheinbar friedlich liegt das Piccadilly Village mit seinen Blumenkästen vor den Fenstern in der künstlichen Landschaft, doch die Geranien sind vertrocknet, die Tür des einzigen Ladens im Dorf ist verschlossen. Die freundliche Idylle aus kleinen Fachwerkhäuschen ist zur Geisterstadt geworden, die heile Welt zur Realität verkommen. Auf dem Bahnsteig sprießt das Unkraut so hoch wie in alten Westernfilmen. Ein Stück weiter verschwinden die rostigen Geleise des Spreeblitzes, einer Achterbahn, die einst in rasendem Tempo den Park durchkurvte, im Maul einer gigantischen Raubtierkatze, die im Dschungel lauert. Und auf der kleinen Insel im Teich mit dem Riesenrad, dessen Gondeln noch immer über die Wipfel des Plänterwaldes hinausragen, watscheln auch keine Enten mehr, nur noch Frösche quaken im Sumpf.

Das Alles ist eine geschichte die jeder in berlin kennt, doch all das soll bald wieder glänzen. Der Senat hat es geschafft einen Investor an dem gelände zu Interessieren und es laufen rege Verhandlungen. Aus internen kreisen heist es das die verträge eigetnlich schon unterschrieben sind, man nur noch Pläne schaffen will um das Gelände um den ehemaligen Spreepark zu erschliessen und dem Park eine wirtschaftliche Perpektive geben kann. Die Streitpunkte liegen derweil bei Parkpatzfläche und Anbindung.

"Man müsse dies direkt über die Elsenstr führen jene nicht ausgebaut ist, sowie auf dem Naturparkgelände neben dem Rathaus Treptow zur Nutzung von Parkstelplätzen" Dies scheint kein einfacher Akt und wird sich wohl noch Monate ziehen, doch eines ist gewiss: Der Spreepark wird wieder kommen.

Wann und wie? Da müssen die Berliner sich dann doch noch etwas gedulden.